Sonntagsspaziergang

Endlich ist es warm und sonnig nach dem langen Winter und die Natur lockt nach draußen. Der kleine Park ist um die Ecke und dort möchte ich nun hin. Ich freue mich schon auf die ersten Blumen auf der Wiese, die Schmetterlinge, spielende Kinder und und und.

Als ich das Haus verlasse umhüllt mich die frische Frühlingsluft. Tief atme ich sie ein und genieße die warme Sonne auf meiner Haut. Fröhlich summend mache ich mich auf zum Park. Doch meine gute Laune verfliegt sofort, als ich dort ankomme. Denn was ich da sehen muss, hat mit Erholung und Naturgenuss nicht das Geringste zu tun.

Mühsam ist noch ein Rest der ehemals so gepflegten Wiese zu erkennen. Alles liegt voll mit Essensresten, zerbrochenen Flaschen, und anderem teilweise undefinierbarem Zeug. An der Hecke hängt sogar ein benutztes Kondom. Die größere „Hinterlassenschaft“ einer Person unter der Hecke wage ich erst gar nicht genauer zu beschreiben. Einfach nur ekelhaft.

Fragen kommen in mir auf. Hat unsere Stadt etwa ihre Mülldeponie in unseren Park verlagert? Oder hat sie, um Einnahmen zu erhalten, unseren Park als neue Mülldeponie an eine Nachbarstadt vermietet? Ein Blick in die aufgestellten Mülleimer aber sagt mir dann, nein nichts von alledem, denn die Mülleimer waren leer. Hier musste am Vortag noch die Stadtreinigung gewesen sein.

Selbst der Hund, der gerade von Frau Klein-Michel Gassi geführt wird, weiß nicht, wie er bei dieser Wiese noch gefahrlos sein Häufchen setzen soll. Also entscheidet er sich geradewegs für den Gehweg. Allerdings gehört Frau Klein-Michel nicht gerade zu den Leuten, die diese „Tretmine“ auch entfernen. Nein, sie geht weiter und regt sich lauthals über den Zustand der Wiese auf. Als ich sie anspreche, warum sie denn den „Haufen“ nicht mithilfe einer Tüte beseitigt, sah sie mich hochnäsig an. Solange sie Hundesteuer zahle, müsse sie den Weg nicht sauber halten, dafür gäbe es ja die Stadtreinigung. Ah ja, sich also über die verdreckte Wiese aufregen, aber die eigene Sch… nicht beseitigen wollen.

Ich setze meinen Weg in Richtung des Kinderspielplatzes fort. Naja, den Namen „Kinderspielplatz“ trägt dieser Ort wohl noch, aber auch dort ist der Anblick nicht viel besser als auf der Wiese. Kinder können dort auch nicht spielen, da alles voll mit Glas-Scherben liegt. Das waren wohl mal Bierflaschen, den Etiketten nach zu urteilen. Die leeren Wodka-Flaschen tun ihr übriges um das Bild zu vervollständigen. Der Sandkasten kann eher als Katzentoilette (oder waren es auch kleine Hunde, die sich dort „verewigt“ haben?) bezeichnet werden. Und an der hinteren Hecke baumelt schon wieder ein weggeworfenes benutztes Kondom. Tja und im Sandkasten stecken zwei Spritzen. Nein, für Kinder ist dies wirklich kein Spielplatz mehr.

Bei so viel gesehenen (und wohl auch versteckt liegenden) Kondome frage ich mich, ob das jetzt die neue Art der „Revierabgrenzung“ der jungen Männer ist. Zu meiner Zeit haben die Jungs überall hin „gerotzt“. Das war auch manchmal so schlimm, dass man aufpassen musste, nicht auszurutschen. Abgesehen, dass es auch nicht gerade appetitlich war. Doch im Vergleich zu benutzten Kondomen war das doch etwas harmloser.

Nachdenklich gehe ich wieder nach Hause. So schlimm war es noch nie! Sicher haben mal Jugendliche oder auch Erwachsene mal in einer Ecke gesessen und ihr Bier getrunken, aber ihren Müll immer entsorgt oder wieder mitgenommen. Und geärgert hat man sich höchstens über das Hundehäufchen, welches Herrchen oder Frauchen (ich sag nur Klein-Michel!!!) nicht im Mülleimer entsorgt hatte. Doch was ich heute gesehen habe, ist anders. Es scheint so, als sei es einfach „normal“ seinen Partydreck und anderes auf der Wiese zu lassen. Denn irgendein „Depp“ wird das schon sauber machen müssen. Und wenn nicht, ist es wohl auch egal. Dann wird der Haufen wohl größer…

Am Parkende sehe ich einen Trupp der Stadtreinigung. Diese Männer und Frauen geben ihr Bestes um den ganzen Dreck der Parkbesucher  zu beseitigen. Aber mit welchem Erfolg? Kaum ist der eine Teil des Parks sauber, sieht der andere Teil wieder so aus, als wäre hier seit Monaten nicht mehr aufgeräumt worden. Daher an dieser Stelle ein Dankeschön an den Vorarbeiter Martin Wellig und sein Team, denn sie sind jeden Tag in diesem Park unterwegs und es dankt ihnen niemand. Im Gegenteil. Die Parkbesucher meckern mit ihnen herum, weil der Park nicht sauber ist. Doch mehr als arbeiten können die Arbeiter doch auch nicht, oder? Daher an dieser Stelle mal ein dickes DANKESCHÖN an alle Stadtreiniger in aller Welt. Denn ohne sie sähen unsere Parks und Städte wohl noch viel schlimmer aus.

Ich hoffe, dass ich bald wieder in den Park gehen kann, ohne auf die Hinterlassenschaften von „ist-mir-doch-scheiß-egal“-Typen zu stoßen. Dann werden wieder Hunde über die Wiese toben und Bienen von Blume zu Blume fliegen, die Vöglein ihre Nester in die Hecken bauen. Ja, ok, jetzt werde ich kitschig…

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