Bürgerinformation mit „Biss“

Saskia hatte gerade den Telefonhörer aufgelegt, als ein älterer Herr an den Tresen kam. Das ist nichts ungewöhnliches, denn an die Bürgerinformation des Rathauses kommen ständig ältere Herrn. Doch dieser Herr war etwas Besonderes und würde Saskia noch lange im Gedächtnis bleiben.

„Was kann ich für Sie tun?“, frage sie ihn höflich. „Ich hätte gern…“ weiter konnte er nicht sprechen, denn in diesem Moment gab es ein schmatzendes „Pflopp“-Geräusch und der Oberkiefer, besser gesagt die Zähne des Oberkiefers, landeten in einer Suppe aus Speichel mitten auf dem Tresen. „Pfuldigung“, schmatze der Herr und beförderte das Gebiss wieder an die Stelle, für die es eigentlich gedacht war.

Saskias Magen fing nun an, mit ihr zu kommunizieren – nach ein paarmal Durchatmen schwieg dieser wieder. „Ich hätte gerne eine Broschüre über das kommende Stadtfest mit Programm und so“, sagte der Herr zu ihr. Sie ging an das Regal und holte es heraus. „Bitteschön, kann ich sonst noch etwas für sie tun?“, fragte sie. „Nein, danke, das…“ PFLOPP – erneut landete das Gebiss auf dem Tresen, und die eine Speichelpfütze war nun nicht mehr einsam. Wortlos schob er sich wieder sein Gebiss in den Mund und verließ den Raum. Zurück blieben zwei kleine Speichelpfützen, die sich so langsam zu einer großen entwickelten.

Zum Glück standen eine Flasche Glas-Reiniger und eine Rolle Papiertücher unter dem Tresen. Saskia sprühte den gesamten Tresen mit dem Reiniger ein. Als sie allerdings mit den Papiertüchern die Reiniger-Speichel-Mixtur aufwischen wollte, meldete sich ihr Magen wieder. Sie ignorierte ihn einfach und wischte mit einem Gefühl von Ekel den Tresen sauber. Nachdem dann der Papiertücher-Reiniger-Speichel-Matsch entsorgt wurde, hörte auch der Magen wieder auf, mit ihr zu sprechen.

Drei Tage später, Saskia las gerade eine Anfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten, da hörte sie zwei Männer, die sich unterhaltend dem Tresen näherten. Und, oh weh, diese eine Stimme kam ihr sehr bekannt vor. Noch bevor sie aufsehen konnte, gab der Mann ein „Guten Ta..“-PFLOPP von sich, und auf dem Tresen landete nicht irgendein Oberkiefer, nein, es war DER Oberkiefer…

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