Oben ist nicht immer oben

Eine Dame kam lächelnd auf Saskia zu. „Rosalinde Klein-Köcher mein Name“, stellte sich die Dame vor. „Ich möchte einen Personalausweis beantragen.“ „Dann drücken Sie am Automaten bitte den Knopf, neben dem „Bürgerbüro“ steht, oben am Monitor können Sie sehen, wann Sie dran sind. Nach Ihrem Aufruf gehen Sie vorne rechts durch die Tür an den Platz, zu dem Sie aufgerufen wurden“, sagte Saskia zu ihr.

Frau Klein-Köcher ging zum Automaten, zog eine Nummer, sah sich um und ging. Saskia wunderte sich zwar darüber, dachte sich aber nichts dabei, da der Warteraum gut besucht war und es noch dauern würde, bis Frau Klein-Köcher an die Reihe kommen würde.

Nach und nach erfolgten die Aufrufe, und Zahl um Zahl rückte so die Wartenummer von Rosalinde Klein-Köcher immer näher, jedoch war von ihr weit und breit nichts zu sehen. Schließlich war die Reihe an ihr, da sie aber nicht da war, kam der Nächste an die Reihe.

Nach fast einer Stunde stand Frau Klein-Köcher wieder vor Saskia. Doch sie wirkte irgendwie verändert: Vor Wut schnaufend und mit einem knallroten Kopf schrie sie Saskia an: „WAS fällt IHNEN ein, mich bis in den VIERTEN Stock zu schicken. Ich habe dort lange nach einem Monitor GESUCHT!!! Glauben Sie, ich hätte einen gefunden? Und WAS muss ich dann von einem IHRER Kollegen erfahren: Das ich im Flur der PERSONALabteilung gestanden habe!!! Was sind SIE für eine UNFÄHIGE Person?“

Während Rosalinde diese Predigt hielt, verfolgte Saskia in Gedanken den Weg dieser Dame durch das Haus. Nach dem Ziehen der Nummer muss sie wohl „oben“ mit „Treppe“ verwechselt haben und ist so in den vierten Stöck gelangt. Danach hat sie „rechts“ mit „links“ verwechselt, denn wie sonst könnte sie im Flur der Personalabteilung gelandet sein? Dort hat sie also die ganze Zeit gesteckt. Nur warum hat sie nicht mal an einer Tür geklopft? Nein, wie Saskia später erfuhr, war es Karsten aus der EDV-Abteilung, der Frau Klein-Köcher wieder „auf den rechten Weg brachte“ und nach unten schickte.

Und jetzt stand sie hier und lies ihrem Ärger freien Lauf. Sie wollte sogar Saskias Vorgesetzten Herrn Speier sprechen. Als dieser dann kam und sich die Sache anhörte, wandte er sich an Saskia: „Sie können nicht Frau Klein-Köcher zur PersonalABTEILUNG schicken, wenn sie einen PersonalAUSWEIS benötigt. So was kommt mir hier nicht noch einmal vor!“

Grinsend betrat Frau Klein-Köcher gemeinsam mit Saskias Vorgesetztem das Bürgerbüro und wurde natürlich von Herrn Speier persönlich bedient…

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