Der Anruf aus der (Bürger)-Hölle

Das Telefon klingelte und Saskia nahm den Hörer ab. Herr Nalbacher, ein älterer Herr, meldete sich mit einem Kasernenhofton und brüllte Saskia an, sie solle ihm gefälligst die Einwohnerzahl von Waldeich, einem Stadtteil nennen.

Ok, Saskia sitzt an der Bürgerinformation, aber muss sie deswegen wissen, wie sich die Einwohner auf alle 16 Stadtteile verteilen? Also entgegnete sie ihm höflich, dass sie ihm das nicht sagen könne. Doch bevor sie weitersprechen konnte, legte Herr Nalbacher los: „Sie sind doch die Information, Sie müssen das wissen!“

Ok, also bitte einmal Information zur Information kommen, denn Saskia muss das ja wissen. „Ich habe keine Einwohnerzahlen hier, kann Sie aber gerne mit dem Einwohnermeldeamt verbinden“ bot sie an.

Sie versuchte die erste Nummer und es ging niemand an den Apparat. Nahm den Anruf wieder zurück und probierte die nächste Nummer. Als auch dort niemand dran ging, nahm sie auch diesen Anruf wieder zurück. Noch bevor sie die nächste Nummer wählen konnte, hörte sie, wie sich Frau Nalbacher im Hintergrund ebenfalls im Kasernenton beschwerte: „Die müssen doch wissen, wieviele Einwohner die haben, die sind nur zu faul um das rauszusuchen…“ Saskia versuchte die nächste Nummer.

Als auch diese Verbindung ohne Erfolg blieb, sagte sie Herrn Nalbacher, dass alle Kollegen im Kundengespräch seien und er daher nicht verbunden werden könnte. Jetzt hätte Saskia Ohrenschützer dringend benötigt, denn erst jetzt drehte Herr Nalbacher zur vollen Lautstärke auf.

„Die sollen aufhören ihren Kaffee zu trinken und gefälligst an das Telefon gehen!“. Saskia unterbrach ihn (immer noch höflich): „Die Kollegen sind im Kundengespräch. Sie möchten doch auch nicht, dass Sie von Anrufen unterbrochen werden, wenn Sie dort bedient werden.“ Das war zu viel für Herrn Nalbacher, denn Saskia stellte fest, dass einfache Ohrenschützer nicht mehr ausreichend waren.

„Von wegen ARBEITEN und KUNDSCHAFT, das sind alles FAULE SÄCKE bei Ihnen. Sie verbinden mich nun sofort mit einem Ansprechpartner!!!“. Saskia lies sich erst gar nicht mehr auf dieses Niveau ein sondern verband ihn direkt mit ihrem Abteilungsleiter, vielleicht würden die beiden sich ja gut verstehen, immerhin kannte Saskia solche Verhaltensweisen von ihrem Chef zur Genüge.

Kurze Zeit später kam ihr Kollege Helmut vorbei. „Sag mal Saskia, hast Du heute schon den „Kurier“ gelesen? Die haben ein Gewinnspiel, bei dem man einen Toaster gewinnen kann. Die Frage ist ganz einfach: Welcher Stadtteil hat mehr Einwohner: Waldeich oder Nonnengrund?“

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