Am Anfang sind sie noch Kinder

von Petra Hammesfahr

Kathi Lenzen hat zwei geliebte Menschen verloren. Zuerst starb ihr Mann durch einen Unfall, dadurch musste sie ihren kleinen Sohn alleine großziehen. Doch als dieser 17 Jahre alt ist, kommt er ebenfalls durch einen Unfall ums Leben. Zwanzig Monate danach trifft sich auf „Breaker“. Er ist gerade dabei, Lebensmittel zu stehlen. Sie meldet ihre Beobachtung nicht, sondern folgt dem Jungen bis zu einem alten leerstehenden Haus.

In dieses Haus hat sich Breaker zurückgezogen. Er ist 16 Jahre alt und stammt aus – nennen wir es mal – „schwierigen Verhältnissen“ – andere würden, wie auch im Buch, den Begriff „Asozial“ oder „Asi“ verwenden. Daher ist er auch dem Jungendamt bekannt, und sein Betreuer, Herr Engelbrecht, ist sich sicher, dass in Breaker ein guter Junge steckt – im Gegensatz zu seinen Brüdern, die sich mit dem Leben in diesen Verhältnissen „arrangiert“ haben und wohl nie dort herauskommen werden. Seine Schwester hingegen hat es geschafft – was jedoch mit einem Kontaktabbruch einherging.

Herr Engelbrecht lernt Kathi kennen und bringt sie durch eine kleine List mit Breaker zusammen. Nur für ein paar Tage, versteht sich doch. So prallen zwei Welten aufeinander. Doch so fremd sich beide anfangs auch sind, kommen sie sich Schritt für Schritt näher.

Petra Hammesfahr beschreibt die Probleme von und zwischen Kathi und Breaker sehr bildlich. Es sind die Konflikte, die beide untereinander und auch jeder mit sich selbst austragen, die der Geschichte eine besondere Note geben. Kann ein 16-jähriger Junge aus diesen Verhältnissen überhaupt noch in ein geregeltes Leben finden? Und gibt es Kinder wie ihn nur in „Asi-Familien“ oder sind es auch die scheinbar so gut versorgten Kinder, die materiell zwar alles haben, aber emotional vernachlässigt sind? Genau dieser Frage geht der Roman sehr gefühlvoll nach.

Es ist egal, wie viel Geld die Familien haben. Liebe gibt es immer kostenlos, sofern sie denn vorhanden ist. Anfangs wird wohl niemand frei von Vorurteilen gegenüber „Asi-Verhältnissen“ an dieses Buch herangehen. Wenn jedoch geschildert wird, wie es zu diesen Verhältnissen gekommen ist, wird das eine oder andere Vorurteil leicht ins Wanken geraten. Das Buch ist auf jeden Fall empfehlenswert und sollte in keinem Bücherregal fehlen.

5 von 5 Schmetterlingen
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