Das Lied der Stare nach dem Frost

von Gisa Klönne

Die Bar-Pianistin Rixa arbeitet auf einem Schiff, als sie die Nachricht erreicht, dass ihre Mutter gestorben ist. Jahre, nachdem ihr Bruder Ivo bei einem Unfall gestorben ist, verunglückt ihre Mutter an fast der gleichen Stelle. Rixa hält das nicht für einen Zufall und sucht nach einer Erklärung. Beide sind in Mecklenburg verunglückt. Rixa ist gemeinsam mit ihren Brüdern Alex und Ivo zwar im Westen aufgewachsen, aber die Großeltern lebten in der damaligen DDR, und so war die Familie aus dem Westen oft zu Besuch. Rixa erinnert sich an diese Kindheit und an ihre Erlebnisse bei den Großeltern.

Aber es gibt ein dunkles Geheimnis in der Familie. Erst durch den Tod der Mutter erhält Rixa einen Schlüssel, der zu einem Haus in Mecklenburg gehört, welches sie und Alex erben. Aber warum hat ihre Mutter dieses Haus gekauft? Es ist ein Pfarrhaus, in dem ihre Großeltern mit ihren Kindern einige Zeit lebten. Rixa beschließt, in das Haus zu ziehen, und versucht, das Geheimnis zu lösen.

Während in der Gegenwart Rixa nach der Wahrheit sucht, wird die Geschichte von Theodor und Elise erzählt. Sie sind Rixas Großeltern und überstehen die schlimme Zeit von zwei Weltkriegen, Inflation und Diktatur. Theodor ist Pfarrer. Gemeinsam mit Elise bekommt er neun Kinder. Eines von ihnen ist Amalie, von der Rixa noch nie gehört hat. Doch auf Nachfragen reagieren ihre Onkel und Tanten mit eisigem Schweigen.

Der Roman hat in jedem Kapitel zweit Zeitschienen. Zuerst begleitet der Leser Rixa auf ihrer Suche nach sich selbst und dem Familiengeheimnis – auf der anderen ist es die Familiengeschichte. Diese beginnt bereits 1915 mit Theodor, dessen Bruder Richard in den ersten Weltkrieg zieht, sein Kennenlernen von Elisa, die Zeit der großen Inflation und die Entwicklung in den 30er Jahren bis 1946. Nach und nach erfährt der Leser mehr über das Schicksal dieser Familie und hat so Rixa gegenüber einen Wissensvorsprung.

Gisa Klönne versteht es in diesem Roman, eine fiktive Geschichte gekonnt mit dem damaligen Zeitgeist und Zeitgeschehen zu verbinden. Man hat das Gefühl, „live“ dabei zu sein. Sowohl bei Rixas Suche, als auch bei Theodor und Elisa – beide Zeiten sind gut erzählt. Auch spielen die Weltkriege und die Inflation nur eine Randrolle – es ist die Familie und deren Entwicklung in dieser schweren Zeit, die im Mittelpunkt steht.

In der Gegenwart setzt sich Rixa immer mehr mit der Beziehung zu ihrer Mutter und ihren Großeltern auseinander. Sie lernt Seiten an ihnen kennen, die sie nie für möglich gehalten hatte. Bis zum Schluss bleibt die Spannung erhalten, was wirklich vorgefallen ist und worüber alle so eisern schweigen. Das Buch liest sich leicht und macht es dem Leser einfach, in die Geschichte einzutauchen.

4 von 5 Schmetterlingen
4 von 5 Schmetterlingen
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