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Kurioses aus der Polizeinotrufzentrale
von Steel

20180727 rezensionWer glaubt, dass die Notrufnummer 110 wirklich nur in Notfällen angerufen wird, der irrt sich gewaltig. Der anonyme Autor „Steel“ hat eine Sammlung der Anrufe zusammengetragen, die definitiv nicht unter den Begriff „Notfall“ fallen. So soll Hilfe bei der Suche nach einem verlorenen Handy oder anderen Gegenständen geleistet werden. Oder es wendet sich ein Stalkingopfer an den Notruf, weil es von einer Katze verfolgt wird.

Das Buch wäre zum Lachen, wenn diese Anrufe frei erfunden wären. Dem ist jedoch nicht so, wie der Autor im Vorwort erklärt. Gegen die Realität kommt keine Fantasie an. Bei mir sorgen die geschilderten Situationen eher für Verärgerung, und ich rege mich über die Naivität oder Blödheit der Anrufer auf. Die Mitarbeiter in den Notrufzentralen werden wohl eher zustimmend nicken und bestätigen, dass genau solche Anrufe Alltag sind.

Als Leser kann man nur mit dem Kopf schütteln und den Glauben an die Vernunft der Mitmenschen verlieren, falls man diesen überhaupt je hatte. Es ist gut, dass diese ganzen Erlebnisse von Steel festgehalten und veröffentlicht werden. Leider wird das Buch nicht die Menschen erreichen, die wegen der Auskunft einer Telefonnummer den Notruf wählen.

An einigen Stellen hat der Autor auch Auszüge aus dem Strafgesetzbuch eingefügt, die zeigen, welche Strafen bei Missbrauch der Notrufnummer den Anrufer erwarten. Dies verdeutlicht dem Leser, dass es tatsächlich ein Straftatbestand ist, beispielsweise als Mutprobe die Nummer wählen.

Es ist ein gutes Buch, welches verdeutlicht, wozu die 110 NICHT gewählt werden sollte. Denn diese Leitung hat, genau wie die 112, für echte Notfälle frei zu bleiben.

Verlag: Piper Taschenbuch
2. Auflage April 2012
Seiten: 184
ISBN: 978-3-492-27339-8

3 von 5 Schmetterlingen
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