Das Sommerkleid der Schauspielerin

von Anna Maria Brandi

20180727 rezensionDie 24-jährige Fanny Sommer ist noch unverheiratet. Dies bedeutet in Deutschland des Jahres 1860 eine Zukunft in einem katholischen Damenstift. Ein kurzer Kontakt zu einer Theatergruppe lässt den Wunsch, Schauspielerin zu werden, in Fanny reifen. Ihr 19-jähriger Bruder Paul bricht sein Jura-Studium ab und versucht den Zwängen seiner Zeit zu entfliehen. Über Briefe halten die Geschwister Kontakt.

In seinen Briefen schildert Paul seine Erlebnisse aus der großen weiten Welt. Da Fannys Leben fade und eintönig ist, schreibt sie ihrem Bruder, sie sei mit der Schauspielgruppe mitgegangen und schildert in schönen Worten, was ihr alles widerfährt. Dabei ist Fanny in den Rollen und Zwängen der damaligen Zeit gefangen.

Dieses Grundgerüst des Romans ist gelungen. Autorin Anna Maria Brandi bemüht sich, die Gespräche in dem damals üblichen Stil zu erzählen. Dabei versucht sie durch alte, heute teilweise vergessene Wörter, die Zeit aufleben zu lassen. In den Briefen und Gesprächen macht dies durchaus Sinn, an anderen Stellen nervt es beim Lesen. Es kommt kein rechter Lesefluss auf. Der gesamte Roman plätschert nur so dahin.

Von der Hauptfigur Fanny erfährt der Leser nicht allzu viel. Wie sie bleiben alle Charaktere oberflächlich und austauschbar. Man merkt beim Lesen, dass die Autorin sich mit der damaligen Zeit auseinandergesetzt hat. Diese Kenntnisse hätten dem einen oder anderen Protagonisten zu mehr Tiefe verhelfen können.

Mich hat dieser historische Roman enttäuscht. Hier wäre mehr drin gewesen. Wer besser als ich mit der Schreibweise und dem Schreibstil der Autorin klarkommt, dürfte Freude an diesem Buch haben. Es fällt in meine Kategorie „Geschmackssache“.

Format: Kindle Ausgabe
Dateigröße: 2.107 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 288 Seiten
ASIN: B086126WHD

2 von 5 Schmetterlingen
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